Bewertungskompetenz im Biologieunterricht gezielt fördern – Eine Interventionsstudie zur Professionalisierung von Studiereden im Umgang mit bioethischen Fragestellungen

Übergeordnete Einrichtungen


Projektdetails

Projektleiter
Zabel, Jörg (Prof. Dr.)
Mitarbeiter
René Leubecher
Finanzierung
SMWK Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Weiterführung
ja

Neue Erkenntnisse der modernen Biowissenschaften werfen teils gewichtige ethische, rechtliche und soziale Fragen auf, wenn es beispielweise um gentechnische Eingriffe in die Keimbahn oder die Entwicklung von Medikamenten zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten des Menschen geht. Der naturwissenschaftliche Unterricht soll SchülerInnen dazu befähigen den zukünftigen gesellschaftlichen Diskurs über diese und andere Fragen aktiv und kritisch mitzugestalten. Im Fach Biologie wurde diesem Anspruch mit der Einführung des Kompetenzbereiches „Bewertung“ in den „Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss“ Rechnung getragen. Diskursorientierte und bioethische Bildungsziele wurden dadurch erheblich aufgewertet und ihre Integration in den Biologieunterricht zur verpflichtenden Aufgabe von Biologielehrkräften. Der Umgang mit der doppelten Komplexität bioethischer Fragestellungen – der fachlichen und der ethischen – stellt die Lehrkräfte vor eine große Herausforderung. Sie fühlen sich auf die besonderen didaktisch-methodischen Anforderungen eines bewertungskompetenzorientierten Unterrichts oftmals nicht adäquat vorbereitet. Mit dem vorliegenden Projekt soll eine empirisch begründete Strategie zur Qualifizierung angehender Biologielehrkräfte im Bereich bewertungskompetenzorientierten Unterrichtens entwickelt werden. Leipziger Studierende im Lehramt Biologie sollen durch die Teilnahme am Projekt bereits in der Studienphase handlungsrelevantes Professionswissen im Bereich bewertungskompetenzorientierten Unterrichts erwerben. Weiterhin sollen sie die für bioethische Unterrichtsprozesse notwendigen didaktisch-methodischen Kompetenzen und eine zeitgemäße Einstellung zur Fachkultur des Faches Biologie entwickeln. Ebenso sollen sie ihre allgemeine Reflexionsfähigkeit in Bezug auf die Qualität der eigenen Lehrtätigkeit erhöhen. Für die Evaluation des Projektes wurden entsprechend der hier beschriebenen Ziele folgende Forschungsfragen zu Grunde gelegt: I) Welchen Einfluss hat die Intervention auf die Vorstellungen der Studierenden vom Prozess ethischer Urteilsbildung im Kontext bioethischer Dilemmata? II) Welchen Einfluss hat die Intervention auf das didaktisch-methodische Repertoire der Studierenden in Lehr-Lernsituationen mit bioethischem Bezug? III) Welchen Einfluss hat die Intervention auf die Fähigkeit der Studierenden ihr unterrichtliches Handeln in bioethischen Lehr-Lernsituationen zu reflektieren? Die Beantwortung der Forschungsfragen erfolgte in Form einer Interventionsstudie im Pre-Post-Test Design. Die Intervention bestand aus einem fakultativen Seminar im Umfang von 1SWS. Es nahmen insgesamt 21 Studierende teil. Inhaltliche und methodische Schwerpunkte des Seminars waren Gruppendiskussionen zu verschiedenen bioethischen Dilemmata, die eigenständige Vorbereitung und Durchführung 20-minütiger Unterrichtssequenzen zu ausgewählten bioethischen Themen sowie die explizite Reflexion der Rolle der Lehrkraft im bioethisch orientierten Unterricht. Vor und nach der Intervention wurden mit allen TeilnehmerInnen leitfadengestützte Einzelinterviews durchgeführt, um Veränderungen in der Wahrnehmung bewertungskompetenzorientierten Unterrichts sowie in der Wahrnehmung der eigenen Rolle und der eigenen Fähigkeiten zu beschreiben. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels Qualitativer Inhaltsanalyse, wobei eine Mischform aus deduktiver und induktiver Kategorienbildung verwendet wurde, um einen möglichst offenen Zugang zu den individuellen Vorstellungen der Studierenden zu gewährleisten. Aus der vergleichenden Analyse der Pre- und Postinterviews lassen sich folgende Aussagen über den Einfluss der Intervention auf die Perspektive der Studierenden ableiten: • Die Studierenden beschreiben ethische Themen als stärker mit dem Biologieunterricht vernetzt • Die Studierenden beschreiben Urteilsprozesse nicht mehr als streng rational, sondern integrieren die Bedeutung moralischer Intuitionen und sozialer Eingebundenheit als Konzepte in ihre Vorstellungswelt • Die Studierenden stehen der Integration bioethischer Themen in ihren späteren Unterricht offener gegenüber und zeigen in den Post-Interviews ein deutlich gesteigertes Wissen um entsprechende Methoden und Inszenierungsmöglichkeiten • Das Spannungsfeld zwischen Indoktrination und Wertevermittlung konnte von den Studierenden nicht vollends aufgelöst werden; der Reflexionsgrad über dieses Spannungsverhältnis und die Konsequenzen für die eigene LehrerInnenrolle hat sich jedoch erhöht Die Ergebnisse fließen im Sinne der Didaktischen Rekonstruktion in die Weiterentwicklung des biologiedidaktischen Seminars zurück. Das Seminar selbst ist mittlerweile ein fester Bestandteil der fachdidaktischen Ausbildung von Biologielehrkräften am Universitätsstandort Leipzig. Ab dem Wintersemester 2017/2018 soll eine Ringvorlesung zum Thema Bioethik stattfinden, an denen sich Lehrende der Fakultät beteiligen. Die Vorlesung soll durch ein Seminar begleitet werden, in dem Studierende des Lehramts Biologie aber auch Kernfachstudierende in Biologie und Biochemie gemeinsam bioethische Themen diskutieren. Die Kombination aus diesem fakultätsinternen Wahlpflichtmodul und dem fachdidaktischen Blockseminar bietet den Lehramtsstudierenden die Möglichkeit sich angemessen auf die späteren Herausforderungen des späteren Biologieunterrichts vorzubereiten, wenn dort bioethische Themen bearbeitet werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden im September 2017 auf der 21. Internationalen Tagung der Fachsektion Didaktik der Biologie und im Februar 2018 auf der 20. Internationalen Frühjahrsschule der Fachsektion Didaktik der Biologie präsentiert. Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden unter dem Titel „Bioethische Themen als Herausforderung für Biologielehrkräfte – Entwicklung eines Professionalisierunsangebotes für Studierende des Lehramts Biologie an der Universität Leipzig“ zur Veröffentlichung in der Publikationsreihe des ZLS eingereicht.


letzte Änderung: 26.07.2012

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Biologiedidaktik
Zabel, Jörg (Prof. Dr.)
Johannisallee 21
04103 Leipzig
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Fax: +49 341 97-36899
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